Recht haben reicht nicht
Er lag mit seiner KI-These richtig und musste sein Milliarden-Portfolio trotzdem an einem einzigen Morgen verkaufen. Was das über Hebel, Zeit und die Positionen im KREIDLER ONE Portfolio sagt.
Am Donnerstagmorgen, dem 30. Juli, wechselte vor Börsenöffnung ein Aktienportfolio den Besitzer, das noch Anfang des Monats zu einem der erfolgreichsten Fonds der Welt gehörte. Nicht Stück für Stück über die Börse, sondern in einer einzigen Transaktion, komplett, an einen einzigen Käufer.
Der Verkäufer hieß Situational Awareness LP. Im ersten Halbjahr 2026 hatte dieser Fonds 439 Prozent zugelegt, nach Gebühren. Seit seiner Auflage Ende 2024 waren es mehr als 1.000 Prozent.
Der Grund für den Verkauf war kein Sinneswandel. Es war ein Anruf.
Wer hier verkauft hat
Leopold Aschenbrenner ist Mitte zwanzig. Mit 19 hatte er seinen Abschluss als Jahrgangsbester in Columbia in der Tasche, danach arbeitete er bei OpenAI an der Frage, wie sich künstliche Intelligenz kontrollieren lässt, bis er im April 2024 entlassen wurde. Im Juni 2024 veröffentlichte er einen Aufsatz mit dem Titel “Situational Awareness”, in dem er beschrieb, wohin die KI-Entwicklung in diesem Jahrzehnt führt. Kurz darauf gründete er einen Fonds und gab ihm denselben Namen. Startkapital: rund 225 Mio. $.
Seine These war im Kern eine Infrastruktur-These: Der Engpass der KI ist nicht die Software und nicht das Kapital, sondern Strom am Netz und fertige Rechenzentren. Wer diese Kapazität besitzt, sitzt an der Engstelle.
Wenn dir das bekannt vorkommt: Genau das ist die zweite Welle unserer Strategie, die Infrastruktur-Welle, und genau darüber haben wir dir vor zehn Tagen den Brief über die Bitcoin-Miner geschrieben.
Der Fonds wuchs entsprechend. Zum 31. März meldete er der US-Börsenaufsicht ein Depot über 13,7 Mrd. $, davon 3,9 Mrd. in Aktien und der große Rest in Optionen. Anfang Juli verwaltete Situational Awareness nach Berichten zwischen 20 und 24 Mrd. $. Aus 225 Millionen wurden in anderthalb Jahren Milliarden.
Sein Buch las sich wie unsere Themenliste
Die gemeldeten Positionen zum 31. März zeigen, wie konsequent er seine These umgesetzt hat: Bloom Energy (Stromerzeugung direkt am Rechenzentrum), SanDisk (Speicher), CoreWeave (KI-Cloud), dazu ein dichter Korb umgebauter Bitcoin-Miner: IREN, Core Scientific, Applied Digital, Riot Platforms, CleanSpark, Bitdeer, HIVE Digital und Keel Infrastructure, das bis April 2026 noch Bitfarms hieß. Fünf Namen machten über 76 Prozent des Aktienbuchs aus.
Zwei dieser Namen sind Positionen im KREIDLER ONE Portfolio, IREN und CleanSpark. Beide hast du im letzten Brief ausführlich kennengelernt. Eine dritte Überschneidung gibt es auch, dazu am Ende.
Wir sagen das offen, weil es zur Redlichkeit gehört: Wir waren in denselben Titeln investiert wie ein Fonds, der gerade zwangsweise verkaufen musste. Nur eben unter völlig anderen Bedingungen. Und genau darum geht es in diesem Brief.
Was ein Margin Call ist
Kurz für alle, die den Begriff nur aus Filmen kennen.
Wer an der Börse mit geliehenem Geld arbeitet, hinterlegt beim Broker eine Sicherheit. Das eigene Kapital ist der Puffer, der Rest ist Kredit. Fällt der Wert der Positionen, schrumpft dieser Puffer. Unterschreitet er eine vertraglich festgelegte Schwelle, ruft der Broker an und verlangt Nachschuss, entweder Geld oder Wertpapiere. Wer nicht liefert, dessen Positionen werden verkauft. Nicht dann, wenn es gerade günstig ist, sondern sofort.
Das Entscheidende daran: Ob deine These stimmt, spielt in diesem Moment keine Rolle mehr. Der Broker fragt nicht nach dem Geschäftsmodell. Er fragt nach der Sicherheit.
Situational Awareness arbeitete nach den Berichten mit einem Bruttoexposure von bis zu 4. Vereinfacht heißt das: Auf einen Euro eigenes Kapital kamen vier Euro Position. Fällt ein solches Portfolio um 25 Prozent, ist der eigene Einsatz rechnerisch aufgebraucht. In der Praxis klingelt das Telefon deutlich früher.
Abgesichert war er durchaus. Zum 31. März hielt der Fonds Verkaufsoptionen über 8,5 Mrd. $ auf NVIDIA, Oracle, Broadcom und einen Halbleiter-Index. Nur schützten die genau dort nicht, wo sein Geld lag. Er hatte die großen, ruhigeren Namen abgesichert und die kleinen, wilden gekauft. Als der Ausverkauf kam, fielen seine Rechenzentrums- und Miner-Aktien deutlich tiefer als die Werte, gegen die er sich versichert hatte. Die Absicherung fing einen Teil des Sturzes auf, nicht den Sturz.
Dazu kam die Gegenseite seines Buches. Auf Software-Aktien hatte er auf fallende Kurse gesetzt, und ausgerechnet dorthin floss in diesen Tagen das Geld, das aus der Hardware abgezogen wurde. Beide Seiten liefen gleichzeitig gegen ihn.
Es gibt einen Film, der genauso heißt
“Margin Call” von 2011 erzählt eine einzige Nacht in einer Investmentbank, in der jemand ausrechnet, dass die eigenen Bücher nicht mehr tragen. Am Morgen darauf verkauft die Bank alles, bevor der Markt begreift, was da passiert. Der Chef der Bank begründet das mit einem Satz, der in der Branche zum geflügelten Wort geworden ist.
Der Erste sein, der Klügere sein, oder betrügen. Für uns fehlt in dieser Aufzählung die Möglichkeit, die im Film niemand hat und die du als Privatanleger einfach so besitzt: kein Fremdkapital. Wer nicht verkaufen muss, muss auch nicht der Erste sein.
Der Juli war brutal, auch für uns
Was passierte, war kein Einzelschicksal. Der Juli hat den gesamten KI-Komplex erwischt. Der Nasdaq 100 rutschte in eine Korrektur, mehr als zehn Prozent unter sein Rekordhoch. Halbleiter-Aktien verloren im Ausverkauf über eine Billion Dollar an Börsenwert. Ein einzelnes Unternehmen war nicht der Auslöser. Es war eine Frage, die der Markt sich plötzlich gemeinsam stellte: Rechtfertigen die Umsätze von morgen wirklich die Investitionssummen von heute? Dazu kamen ein außenpolitischer Konflikt und eine Notenbank, die weniger entgegenkommend klang als erhofft.
Seine Kernpositionen fielen im Juli laut Marktberichten zwischen 27 und 54 Prozent.
Und ja, das traf auch Positionen aus dem KREIDLER ONE Portfolio. IREN stand Ende Juli rund 30 Prozent unter dem Kurs von vor einem Monat und mehr als 60 Prozent unter seinem Höchststand vom November. Wer in diesen Wochen ins Depot geschaut hat, hat das gesehen. Wir schreiben das hier hin, weil ein Brief, der nur die guten Monate erwähnt, nichts wert ist. Frühere Wertentwicklung ist ohnehin kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse, und das gilt in beide Richtungen.
Nachtrag · Freitag, 14:00 Uhr
Während dieser Brief fertig wurde, kam die Zahl dazu, die alles zusammenfasst. Situational Awareness hat im Juli rund 67 Prozent verloren, berichten Financial Times und Wall Street Journal übereinstimmend. Für das laufende Jahr steht der Fonds damit immer noch rund 80 Prozent im Plus, nach 439 Prozent zum Halbjahr. Ein Jahresergebnis, von dem die meisten Fonds träumen, und das Aktienbuch ist trotzdem weg.
Uns kann niemand anrufen
KREIDLER ONE arbeitet ohne Fremdkapital. Es gibt keinen Kreditgeber, der Sicherheiten nachfordern könnte, keine Nachschusspflicht, keine Schwelle, bei deren Unterschreiten jemand anderes über unser Portfolio entscheidet. Ein Kursrückgang bleibt damit genau das: ein Kursrückgang, und keine Zwangslage.
Das klingt unspektakulär. Es ist aber der Unterschied zwischen einem schlechten Monat und dem Ende der Geschichte.
Denn Hebel verändert etwas Grundsätzliches: Er verwandelt eine Meinung in eine Frist. Ohne Kredit brauchst du nur recht zu behalten. Mit Kredit musst du rechtzeitig recht behalten. Und wie lange “rechtzeitig” ist, entscheidest nicht du, sondern die Schwankungsbreite des Marktes und dein Broker.
Der Fonds hatte thematisch recht. Verträge über Jahrzehnte, unterschriebene Stromlieferungen, Hyperscaler als Mieter: All das steht heute unverändert da, unabhängig vom Kursverlauf im Juli. Er konnte nur nicht bis zu dem Zeitpunkt durchhalten, an dem sich das im Kurs zeigt.
Das ist der vielleicht meistunterschätzte Vorteil, den du als Privatanleger hast: Dich zwingt niemand zum Verkauf. Zeit ist dabei keine Kleinigkeit, sondern die eigentliche Währung. Wir sind mit eigenem Geld in KREIDLER ONE investiert, und unser Zeithorizont ist das Jahrzehnt, nicht das Quartal.
Wer am Donnerstag gekauft hat
Ein Detail des Verkaufs ist bemerkenswert. Das Buch ging nicht scheibchenweise über die Börse, wo es die Kurse der betroffenen Aktien weiter gedrückt hätte. Es ging nach Berichten des Wall Street Journal in einer Blocktransaktion an Citadel, den Hedgefonds von Ken Griffin. Käufer war also nicht ein Notverkäufer-Markt, sondern eine Adresse, die diese Positionen zum Ausverkaufspreis in die eigenen Bücher nehmen wollte.
Die Reaktion am selben Tag: Die betroffenen Aktien schossen nach oben. IREN schloss 27 Prozent höher bei 37,33 $, im Handelsverlauf lag die Aktie zeitweise 30 Prozent im Plus. Riot legte 23 Prozent zu, Bitdeer 22, CoreWeave ebenfalls 22, Core Scientific 21, CleanSpark 20 und HIVE Digital 17. Der Verkaufsdruck, den der Markt seit Tagen gespürt hatte, hatte einen Namen bekommen, und dieser Verkäufer war weg.
Unsere Lesart, und das ist ausdrücklich unsere Meinung: Ein Zwangsverkäufer sagt nichts über den Wert dessen, was er verkaufen muss. Er sagt etwas über seine Finanzierung. Wenn ein Portfolio verkauft wird, weil ein Kreditvertrag es verlangt, und nicht, weil sich die Geschäftsgrundlage geändert hat, dann ist der gefallene Kurs keine neue Information über das Unternehmen.
Was er behalten durfte
Ein Nachsatz, der zeigt, wie er selbst über seine These denkt. Verkauft wurde nur das Aktienbuch. Seine privaten Beteiligungen blieben unangetastet, darunter ein Anteil an Anthropic, den Bloomberg auf rund 5 Mrd. $ beziffert. Anthropic wurde in seiner jüngsten Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Mrd. $ bewertet, ein Börsengang wird für Oktober erwartet.
Nicht börsennotierte Beteiligungen haben keinen täglichen Kurs. Deshalb konnte niemand sie als Sicherheit einfordern. Sein am schwersten zu verkaufender Besitz war am Ende der einzige, der ihm blieb.
Die geheime Position
Im letzten Brief haben wir dir eine vierte Position aus diesem Umfeld angekündigt und ihren Namen für uns behalten. Zwei Hinweise gab es: gebaut wird nicht in Texas, sondern deutlich weiter nördlich, und der jüngste Großkunde ist keine Tech-Firma, sondern eine Telefongesellschaft.
Heute kommt ein dritter Hinweis dazu: Sie stand ebenfalls in Aschenbrenners Buch. Und sie gehörte am Donnerstag zu den Titeln, die zweistellig zulegten.
Der eigene Brief dazu ist geschrieben und kommt als Nächstes. Wenn du ihn nicht verpassen willst: Abonniere Kreidler Alpha, dann landet er direkt in deinem Postfach.
Einordnung
Wir schreiben diesen Brief nicht, weil bei jemandem etwas schiefgegangen ist. Wir schreiben ihn, weil selten so deutlich zu sehen ist, dass an der Börse zwei verschiedene Fragen entschieden werden: ob du recht hast, und ob du lange genug dabeibleiben kannst, um es zu erleben. Die erste Frage beantwortet die Analyse. Die zweite beantwortet die Struktur.
Wir halten unsere Einschätzung zur Infrastruktur-Welle unverändert für richtig. Die Verträge, über die wir im letzten Brief geschrieben haben, gelten weiter.
Ein Wort zur Quellenlage: Alles, was du hier gelesen hast, stammt aus der Berichterstattung von Financial Times, Bloomberg, Wall Street Journal, CNBC und weiteren; der Fonds selbst hat sich nicht öffentlich geäußert. Einzelne Zahlen können sich noch als ungenau erweisen.
Warum wir die KI-Entwicklung in drei Wellen einteilen und was wir in jeder erwarten, liest du in unserem Whitepaper “Das Infrastruktur-Jahrzehnt” auf kreidler.capital/alpha.
Bis zum nächsten Brief,
Bruno & Matteo
Quellen
Berichterstattung zum Unwind: Financial Times und Bloomberg (24. und 30.07.2026), Wall Street Journal (30.07.2026), CNBC (30.07.2026), TechCrunch (30.07.2026), The Block (30.07.2026). Portfoliodaten: 13F-Meldung von Situational Awareness LP zum 31.03.2026 und deren Auswertungen. Marktdaten Juli 2026: CNBC (Halbleiter-Ausverkauf, 29.07.2026), Marktberichte zur Nasdaq-100-Korrektur, Kursdaten IREN. Aufsatz “Situational Awareness” von Leopold Aschenbrenner, Juni 2024. Porträtfoto: öffentliches Profilbild von Leopold Aschenbrenner.
Transparenz und Pflichtangaben
Verfasser: Matteo Kreidler und Bruno Kreidler, Kreidler Capital GmbH. Fertiggestellt am 31.07.2026, 16:05 Uhr.
Interessenkonflikte: Die genannten Unternehmen IREN und CleanSpark sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Bestandteil des KREIDLER ONE Portfolios. Die weiteren in diesem Brief genannten Unternehmen Bloom Energy, SanDisk, CoreWeave, Core Scientific, Riot Platforms, Bitdeer, Applied Digital, Keel Infrastructure, NVIDIA, Oracle und Broadcom sind nicht Bestandteil des KREIDLER ONE Portfolios. Die Kreidler Capital GmbH entwickelt die Strategie und berät den Reference Portfolio Advisor des Zertifikats laufend zur Zusammensetzung des Portfolios; die Entscheidung zur Umsetzung der Anlagevorschläge liegt bei der UBS. Matteo und Bruno Kreidler sind mit eigenem Geld in KREIDLER ONE investiert und profitieren von dessen Wertentwicklung. Nettopositionen von mehr als 0,5 % am Kapital eines der genannten Unternehmen bestehen nicht.
Dieser Artikel ist eine Werbemitteilung und stellt keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung im Einzelfall und kein Angebot dar. Er gibt unsere Einschätzung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Maßgeblich sind allein die Produktunterlagen der UBS (Basisinformationsblatt und Endgültige Bedingungen). Frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Die Kreidler Capital GmbH handelt als vertraglich gebundener Vermittler gemäß § 3 Abs. 2 WpIG ausschließlich für Rechnung und unter der Haftung der Reitelshöfer Vermögensmanagement GmbH.









